Was zeichnet stichsichere Westen aus und woraus werden diese hergestellt?

Neben Westen für den Schutz vor ballistischen Waffen wie Pistolen und Gewehren gibt es auch Schutzwesten, die entweder zusätzlich oder speziell für Gefahrensituationen entwickelt werden, in denen das Risiko einer Verletzung durch spitze und/oder Klingenwaffen besteht. Dabei wird zwischen stichhemmenden und stichsicheren Westen unterschieden.
Erstere dämpfen Stiche zwar ab, kann das Eindringen einer Waffe aber nicht immer vollständig verhindern.
Allerdings bieten diese Westen den Vorteil, dass sie leichter, bequemer zu tragen und unauffälliger sind.
Stichsichere Westen dagegen sind meist in der Lage, das Eindringen von Klingen und Spitzen vollständig zu verhindern, sind aber dafür auch schwerer und nicht so einfach unter der Kleidung zu verstecken.

Welche Art von Weste zu bevorzugen ist hängt also von der potentiellen Gefahrensituation ab. Falls lediglich Schläge mit stumpfen Waffen und wenig gefährlichen Klingenwaffen zu erwarten sind und eine verdeckte Weste von Vorteil ist, so sollte zu einer stichhemmenden Weste gegriffen werden. Insbesondere während der warmen Sommermonate kann eine leichtere Weste in langen Einsätzen zudem einen erheblichen Komfortunterschied machen. Für Einsätze, in denen mit gefährlicheren Waffen gerechnet werden muss, sollte jedoch eine stichsichere Weste verwendet werden.

Stichhemmende und stichsichere Westen ergeben vor allem dann Sinn, wenn der Träger den gefährdenden Personen sehr nahe kommt. Da diese Art von Bedrohung im Alltag bestimmter Personengruppen immer häufiger wird und weil sie sich gut für das Tragen unter Kleidung eignen, sind diese Westen insbesondere beliebt bei und sinnvoll für:

Sicherheitspersonal

Als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes muss man auf viele verschiedene Gefahrensituationen vorbereitet sein, so auch auf Angriffe mit scharfen und/oder spitzen Gegenständen bzw. Waffen. Immer häufiger wird in diesem Berufsfeld deshalb in hochwertige Schutzkleidung investiert und das Tragen stichhemmender oder –sicherer Westen ist schon seit langem Standard.

Türsteher

Als Türsteher einer Diskothek hat man es nicht nur mit freundlichen Menschen zu tun. Insbesondere unter Drogeneinfluss werden manche Gäste sehr gewalttätig, wenn ihnen der Eintritt verwehrt wird. Da es nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese Menschen eine Waffe mitführen, oder z.B. eine zerbrochene Flasche verwenden, ist es in diesem Berufsfeld deshalb ratsam, geeigneten Körperschutz zu tragen. Hierfür eignen sich besonders Westen, die sich unauffällig unter der Kleidung, wie z.B. einem Anzug verstecken lassen.

Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs

Im öffentlichen Personennahverkehr nimmt die Gewaltbereitschaft einiger Gruppen seit Jahren zu.
Oft sind Fahrer sowie Kartenkontrolleure aufgrund von Arbeitgebervorschriften gar nicht oder nur unzureichend ausgestattet um solchen Bedrohungen entgegenzutreten, so ist Pfefferspray häufig nicht gestattet. In diesen Fällen haben die Angestellten im Ernstfall keine direkte Verteidigungsmöglichkeit. Für zumindest einen grundlegenden Schutz gegen Stich- und Schnittverletzungen eignen sich in diesem Berufsfeld deshalb insbesondere stichhemmende Westen, die sich unter der Kleidung tragen lassen.

Privatpersonen

Zunehmend kaufen auch Privatpersonen Stichschutzwesten. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die erwünschte Wirkung ist jedoch immer dieselbe: Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Sicherheit und in der heutigen Zeit wächst die Angst vor unsichtbaren Bedrohungen wie etwa Terrorismus. Hinzu kommt eine erhöhte Gewaltbereitschaft an sozialen Brennpunkten.
Egal ob auf dem Heimweg durch ein unsicheres Stadtviertel, nachts am Bahnhof, eine Stichschutzweste vermittelt dem Träger ein höheres Gefühl der Sicherheit und schützt zuverlässig gegen Verletzungen am Oberkörper durch Stich- und Klingenwaffen.

Woraus werden Stichschutzwesten hergestellt?

Hergestellt werden stichhemmende und stichsichere Westen aus Kunstfasergemischen, deren Eigenschaften das Ein- und Durchdringen mithilfe von Stich- und Klingenwaffen verhindern. Dabei werden die stichhemmenden Westen aus vergleichsweise „weichen“ Kunstfasern gefertigt, die die Wirkung der Waffe lediglich dämpft, stichsichere Westen hingegen verwenden deutlich härtere Kunstfasergemische und verfügen häufig zudem über sogenannte Inlays, die zusätzlichen Schutz gegen spitze Stichwaffen bieten. Eine typische stichhemmende Weste besteht aus etwa 2mm dickem Kunststoff, sowie einer etwa 1,2mm starken Aluminiumplatte, wobei die stichsichere Weste oder Stichschutzweste über deutlich dickere Platten von etwa 2,5mm Stärke verfügt.

Das von der amerikanischen Firma DuPont entwickelte Material Kevlar® wird aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften und extremen Widerstandsfähigkeit heute für die Herstellung vieler verschiedener Schutzwesten verwendet, unter anderem auch für Stichschutzwesten. Zum einen haben Kevlar®-Westen den Vorteil im Schnitt etwa 10% leichter als Westen aus anderen Materialien zu sein, zum anderen bietet das Material gleichzeitig auch guten Schutz gegen Beschuss mit Kurzwaffen.