Welche Materialien werden für die Herstellung leichter kugelsicherer Westen verwendet?

Im Grundaufbau sind die allermeisten Schutzwesten recht ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich durch die Art und Anzahl der Schichten des Schutzmaterials. Die Westen bestehen aus einer Trägerweste, welche aus besonders widerstandsfähigen Textilien hergestellt werden, sowie der sogenannten Softballistik. Dabei handelt es sich um eine Aramideinlage.
Für zusätzlichen Schutz können bei Bedarf ballistische Platten – auch Traumaplatten genannt - in die Trägerweste eingelegt werden.

Aus den verschiedenen Zusammensetzungen ergeben sich bestimmte Kategorien von schusssicheren Westen, diese werden auch Schutzklassen genannt. Die Standards unterscheiden sich dabei teilweise von Land zu Land.  Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Bestandteile sind diese Westen in der Lage, vor Bedrohungen durch verschiedenste Waffenarten zu schützen.

Die ersten kugelsicheren Westen verwendeten Platten aus gehärtetem Stahl. Dieser bietet zwar sehr guten Schutz, ist aber gleichzeitig auch sehr schwer und schränkt den Träger der Weste in der Bewegung stark ein. Zudem stellt das hohe Gewicht über längere Zeit eine Belastung für den Körper dar, deshalb  sind  diese Westen für den alltäglichen Einsatz nicht geeignet.
Viele moderne Schutzwesten hingegen setzen auf Werkstoffe, die zugleich leicht und extrem widerstandsfähig sind und können so problemlos im Alltag und sogar verdeckt unter der Kleidung getragen werden. Moderne kugelsichere Westen setzen vorrangig auf Kevlar® und ballistische Platten aus Keramik.

Schutzwesten aus Kevlar®

Stephanie Kwolek, eine Mitarbeiterin der Firma Du Pont, entdeckte 1965 ein Polymer, welches sich zu einer Faser spinnen ließ, die widerstandsfähiger als jede bislang bekannte synthetische Faser. Zwar war dieses Polymer für die Massenherstellung zu teuer, jedoch gelang es den Forschern aus billigeren Ausgangsmaterialien eine neue Faser herzustellen:
Poly(p-phenylenterephthalamid), heute bekannt als Kevlar®.
Mittlerweile wird Kevlar® nicht mehr nur für Sicherheitskleidung verwendet, sondern findet zudem Verwendungen in verschiedenen Industrien, insbesondere bei der Herstellung von Bauteilen, die extremen Belastungen ausgesetzt werden.

Schuss- und stichsichere Westen aus Kevlar® werden den Leichtschutzwesten zugeordnet und bieten vor allem Schutz gegen Stichwaffen und Faustfeuerwaffen (Pistolen etc.). Sie haben den Vorteil, dass sie verhältnismäßig leicht sind und sich sehr gut zum Tragen unter der Kleidung eignen und deshalb werden häufig im Alltag von Sicherheitskräften, Polizeieinheiten und Soldaten verwendet.

Immer öfter werden diese Westen jedoch auch von Privatpersonen gekauft. Viele Menschen leben in Gebieten mit hoher Kriminalität oder in Ländern, in denen Bürgerkrieg herrscht. Aber auch in friedlichen Gegenden wächst die Angst vor Terror und Schutzwesten aus Kevlar® können eine zusätzliche Absicherung gegen potentielle Bedrohungen darstellen.

Schutzwesten mit Keramikplatten

Nicht immer reicht der Schutz einer Weste mit Aramideinlage aus. Grundsätzlich sind schusssichere Westen mit Aramideinlage darauf ausgelegt, das Eindringen von Kugeln und/oder Klingen zu verhindern. Insbesondere Schusswaffen sorgen jedoch zum Teil für eine erhebliche Verformung des Westenmaterials im Bereich des Aufpralls der Kugel. An empfindlichen Stellen wie dem Herzen kann ein solcher Aufprall tödliche Verletzungen verursachen, selbst wenn das Projektil die Weste nicht durchdringt.

Möglichkeiten für zusätzlichen Schutz gegen hochenergetische Projektile sind zum einen metallene Fäden, mit denen der Stoff der Weste durchwoben wird, und zum anderen Platten aus besonders hartem und widerstandsfähigen Materialien wie Stahl oder Keramik. Militäreinheiten und Sondereinsatzkommandos weltweit nutzen heute Schutzwesten mit Keramikplatten.
Diese Platten können unterschiedlich stark und schwer sein, anhand dieser Eigenschaften ergibt sich deren Schutzklasse.